Vom Profi auf den Zahn gefühlt! Wie zuverlässig sind Quellen für Information und Wissen?

Warum ist es mitunter schwierig, die Qualität von Information und Wissen und ihrer Quellen zu überprüfen?

Stefan Zillich, Information Professional in Berlin, hat uns in unserer Regionalveranstaltung im Mai Faktoren und Zusammenhänge vorgestellt, die im Alltag eher versteckt und oft unberücksichtigt bleiben, obwohl sie die Tätigkeit der Informations- und WissensarbeiterInnen direkt beeinflussen: Information und Wissen als Ware auf einem Markt? Marktteilnehmer mit persönlichen Intentionen? Qualitätskriterien mit kleinen Fehlern? Psychologische Faktoren, die alles Übrige dominieren? …

Es war wie so oft bei unseren Veranstaltungen: sehr interessant, unterhaltsam, spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Ronald Orth als Gastgeber des Fraunhofer Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik hat uns einleitend einen kurzen Einblick gewährt, welche Fragen die  Wissenschaftler mit dem Blick auf die Digitale Transformation in der Industrie zu der Qualität von verfügbaren Daten, Informationen und Wissen haben. Stefan Zillich hat dann mit seinem Spannungsbogen dafür gesorgt, dass alle mit dem Gefühl nach Hause gingen, dass wir nicht verzweifeln müssen, aber die omnipräsenten Informationen im analogen und digitalen Orbit permanent kritisch hinterfragen und querchecken sollten.

Quelle: Stefan Zillich

Quelle: Stefan Zillich

 

Wenn Information und Wissen als Ware auf einem Markt gehandelt wird, dann stecken zwangsläufig hinter dem Angebot, das in der Regel vordergründig kostenlos zu beziehen ist, knallharte Wirtschaftsinteressen. Das können z.B. Studien von Unternehmensberatungen sein, die Ergebnisse darstellen, wie sie die Kunden-Zielgruppe der Beratung für sich nutzen kann. Das können tendenziöse Berichte von Verbänden sein, die aktuelle und potenzielle Mitglieder ansprechen…  Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Und ein wichtiger Hinweis des Informationsspezialisten war: Informationen immer von mehreren möglichst unterschiedlich aufgestellten Quellen suchen, um der Wahrheit möglichst nahe zu kommen.

Ein sehr interessantes Phänomen tritt auf, wenn Informationen nur gegen Geld zu haben sind. Interessierte versuchen, möglichst viele Vorab-Informationen zu erhalten, die ihnen eine Bewertung des Angebots ermöglicht. Abhängig vom Ergebnis wird dann entschieden, ob sich der Kauf der Informationen lohnt. Das Informations-Paradoxon besteht darin, dass eine verlässliche Bewertung der Informationen auf Basis der eigentlichen Informationen erfolgt. Das heißt, im Idealfall möchte der potenzielle Kunde dafür bereits die Informationen studieren, die er doch eigentlich kaufen soll! Als Verkäufer von Informationen muss man also dafür sorgen, generelles Vertrauen aufzubauen und die richtigen Teilstücke so zur Verfügung zu stellen, dass ein potenzieller Kunde zum gewünschten positiven Schluss kommt. Gar nicht so einfach.

Stefan Zillich hat uns abschließend auf informationspathologische Phänomene hingewiesen, die verhindern können, dass die Qualität verlässlich beurteilt wird. Diese werden z.B. durch Information aus höheren Ebenen der Hierarchie ausgelöst, die aus Sicht von Mitarbeitenden ungeprüft als grundsätzlich verlässlich angesehen werden. Andere Verwerfungen können entstehen, wenn Informationen die eigenen Erwartungen erfüllen sollen und nach entsprechender Auswahl pauschal geglaubt werden. Der Tipp hierzu ist relativ klar: Bedenkt die Fallen, die durch Informationspathologien gestellt werden, und versucht sie zu vermeiden.

Wenn die abendliche Müdigkeit der Teilnehmenden nicht irgendwann zugeschlagen hätte, wäre die Diskussionsrunde vermutlich erst nach etlichen Stunden auseinander gegangen.

Und wenn Sie sich jetzt fragen, ob Sie meinem Bericht trauen können, dann fragen Sie andere, die dabei waren …